Exitus-Parasiten

Sie sitzen stundenlang im Regen (gern im Garten oder auf der Terrasse unter deinem Balkon) und hören – eine durchweichte Kippe im Mund – bei maximaler Lautstärke Purple Rain oder We are the world. Dabei blicken sie derart verstört drein, dass man meinen könnte, ihnen sei gerade eine schwerwiegende Stoffwechselerkrankung mit einhergehendem Verlust der Schließmuskelkontrolle diagnostiziert worden: Menschen, die der plötzliche Tod eines Pop- oder Rockstars schier aus der Bahn zu reißen droht.

Jahre-, manchmal jahrzehntelang hat sie das Schicksal des Verstorbenen nicht interessiert, haben ihre ausbleibenden Konzertbesuche, ihre fehlenden Downloads, CD- und Plattenkäufe erst dazu beigetragen, dass der Künstler krank, alkohol- und medikamentenabhängig, depressiv und selbstmordgefährdet geworden ist. Jetzt beweinen sie ihn wie ein Familienmitglied, einen guten Freund, ein Haustier. In Wahrheit betrauern sie nur ihr eigenes trostloses Schicksal, ihre zerplatzten Träume, ihre verpassten Chancen.

Wie sah die Zukunft doch rosig aus, damals im Kinder-/Jugendzimmer mit einem Joint in der Hand und Purple Rain in den Ohren. Jetzt, gefühlte zweitausend Fehlentscheidungen später, nach der dritten Scheidung, der vierundfünfzigsten Diät und der achten Psychotherapie bleibt nicht mehr viel, an das sich der Exitus-Parasit klammern kann. Abgesehen natürlich von der Hoffnung, einen weiteren Promi aus der Showbranche zu überleben.

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