Zeitgenossen, die Brückengeländern das Leben schwermachen

Man stelle sich vor, es gäbe Menschen, die handelsübliche Zahnbürsten oder Glühbirnen mit Daten und Initialen versehen und auf U-Bahnsitzen oder in Obst- und Gemüseauslagen platzieren würden. Ähnlich absurd ist das Phänomen, Vorhängeschlösser an Brückengeländern zu befestigen. Im ersten Moment ist man versucht, an Agenten aus Pjöngjang zu glauben, die so die Infrastruktur der westlichen Welt zum Einsturz bringen wollen.

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Aber die Schlüsselkinder der Liebe stammen aus unserer Mitte. Und die Frage nach ihrer Motivation ist ganz einfach zu beantworten. Im tiefsten Innern ist ihr Tun ein stummer Schrei nach Befreiung. MdVaBb, also Menschen, die Vorhängeschlösser an Brücken befestigen, fühlen sich von der Zweisamkeit versklavt. Sie sehnen sich nach Öffnung, nach Swingerpartys, nach anonymem Sex auf Autobahnraststätten, können aber nichts davon bekommen, weil sie die Angst umtreibt, im Alter keinen Versorgungspartner zu besitzen, also jemanden, der ihnen im Pflegeheim wenigstens mal eine Flasche Klosterfrau Melissengeist vorbeibringt.

Erlösen wir diese armen Seelen, präparieren wir die Brückengeländer, an denen sie ihre emotionalen Armutszeugnisse für gewöhnlich platzieren, mit Hilfe von Säge, Feile oder Trennschleifer dergestalt, dass sie bei Berührung nachgeben. Denn unter der Brücke wartet der Fluss, und der wiederum fließt ja bekanntlich immer ins Meer. Vielleicht trifft der MdVaBb dort endlich auf die Kommune sexuell aktiver Nixen und Wassermänner, nach der er sich schon so lange gesehnt hat.

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