Menschenwürdefresser

Gut möglich, dass es auf diesem Planeten erwachsene Mitbürger gibt, die schon immer mal als Riesenbockwurst, Prinzessin-Lillifee-Imitat oder Ganzkörperkondom durch belebte Straßen ziehen wollten. Viele werden es allerdings nicht sein, ganz sicher nicht mehr als einer von dreißigtausend.

Warum also sind dann vor allem an Wochenenden auf den einschlägigen Partymeilen deutscher Großstädte alle paar Meter arme (Riesenbock)Würstchen zu entdecken, die in den eben benannten und weiteren, ähnlich schlimmen Kostümen unterwegs sind? Sie bieten Küsse feil oder Kleine Feiglinge, meist gegen einen Betrag von einem Euro. Und vielleicht verbirgt sich hinter dieser Geste ja genau das Geheimnis des Phänomens. Dass sich also hier, an diesem realitätsfernen Ort, kleine Feiglinge endlich das getrauen, von dem sie insgeheim schon lange geträumt haben, nämlich dem unbeschwerten Austausch und der Einnahme von (Körper)Flüssigkeiten.

Oder verfolgt die dilettantische Scharade namens Junggesellenabschied ein ganz anderes Ziel? Ein hehres gar? Nämlich dem Optimierungswahn ein Schnippchen zu schlagen? Einfach mal scheiße aussehen, einfach mal den Mickie Krause in sich rauslassen? Gerecht geht es dabei ja auch noch zu. Denn die, deren Motto-Shirts im Vergleich zum Bräutigam einen Hauch weniger beschämend daherkommen, sind im Normalfall die, die in den nächsten Jahren entsprechend vorgeführt werden (oder schon vorgeführt worden sind.) Wobei als Argument gegen die Anti-Optimierungs-These die Tatsache spricht, dass der gemeinschaftlich begangene Gehirnzellen-Seppuku häufig genug generalsstabsmäßig geplant wird, oft von zwei- oder dreiköpfigen Teams, die Reisen bis nach Polen oder Kroatien organisieren. Klar, im Ausland lässt sich die publikumswirksame Blamage noch dreimal gelöster in Angriff nehmen.

Früher war der Pranger der Ächtung echter oder vermeintlicher Missetaten vorbehalten. Heute zahlen angehende Brautleute und ihr Gefolge Geld für die eigene öffentliche Bloßstellung. Vielleicht sollten sie neben Süßigkeiten und Partyschnäpsen – oder womit sie ihr Treiben sonst noch zu refinanzieren versuchen – Peitschen und andere Marterinstrumente in ihren Bauchläden vorrätig halten, die die Laufkundschaft dann getreu dem Motto „der Bockwurst die Pelle vom Leib ziehen“ direkt am lebenden Objekt ausprobieren darf.

Ein Gedanke zu „Menschenwürdefresser

  1. Bei uns gibt’s von den Spongos immer nur Schlüpferstürmer und Schenkelspreizer aus
    ‚m Bauchladen. Die kriegt man sonst nirgendwo, hat Mutti seit den 80ern aufgespart und gibt’s zum Aussteuer-Klumpatsch als frivoles Goodie obendrauf. IcH geh mal das Brautschuhkupfergeld versaufen.

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