Smiley-Bankrotteure

Aus ihren Zeilen spricht die Angst, die Angst, falsch verstanden, ja, im schlimmsten Fall ernstgenommen zu werden (Smiley mit Brustwarzenpiercing): Menschen, die in E-Mails oder ähnlichen Nachrichten schon nach der Begrüßung den ersten Emoji setzen (Kotzsmiley).

Kinder und Teenager sind von dieser Kritik herzlich ausgenommen, die wissen es nicht besser (Einhorn mit Bubbletea-Trinkbecher). Kinder und Jugendliche dürfen auch zu schlechtem Gangsterrap den Oberkörper schütteln (Bushido-Avatar). Erwachsene nicht (erhobener Zeigefinger). Erwachsene sollten es auch aushalten, dass die Welt sie, wenn sie einen bösen Scherz in dieselbe setzen, komplett missversteht (Smiley mit vollgepisster Jogginghose).

hitli

Falls nicht, falls die Smiley-Inflation also Schule macht, besteht zu befürchten, dass Mitbürger, die auf Emojis verzichten (Brechdurchfallsmiley), irgendwann zu Kommunikationsautisten erklärt werden (Smiley mit Hasenscharte und Akne-Narben), während sich Texte, ja, komplette Romane nur noch aus Herzen, stilisierten Katzengesichtern und klatschenden Händen zusammensetzen.

Um dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten, gibt es nur eins: die konfliktscheuen Schriftwechsel-Schisser mal richtig fest drücken (Sumo-Ringer im Manga-Style), ihnen danach die Telefone und Tablets abnehmen (Kopfschusssmiley) und für zwei, drei Minuten in der aktivierten Mikrowelle parken (also die Kommunikationsgeräte nicht deren Besitzer). Wenn das nicht hilft, gibt es zum nächsten Geburtstag Gutscheine für eine Stirntätowierung. Motiv: Ein tischtennisballgroßer Zwinkersmiley.

Foodpornschleudern

Natürlich treibt sie die Angst um, die Angst, zu darben; die Angst, bis auf die Knochen abzumagern, während der Bauch sich dehnt und bläht wie ein übervoller Gasballon; nicht wenige von ihnen haben wahrscheinlich schon den Hungertod vor Augen. Sie haben als Kind ausschließlich Graupensuppe und Steckrübeneintopf bekommen und diese Grausamkeit kompensieren sie nun, indem sie ihre Umwelt regelmäßig mit Grußbotschaften belästigen, die an die Speisekarten mallorquinischer Nepplokale erinnern: Menschen, die zwanghaft ihre Mahlzeiten fotografieren und im Netz verbreiten müssen.

IMG_8067

Letztlich agieren diese Getriebenen nicht viel anders als Dieter Bohlen. Der lebt, da in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen, in der dauernden Sorge, er müsse zurück in diese Vier-Personen-auf-zwei-Zimmern-Küche-Bad-Enge, sieht sich deshalb gezwungen, immer noch eine Million mehr zu verdienen und findet doch keine Ruhe. Und noch etwas haben der fotogeile Foodie und der Lederhaut-Titan gemeinsam: den Geiz. Verständlich. Denn wer über Jahre hinweg am trockenen Zwieback knabbern musste, während die anderen ihr Marzipanbrot in Edelkaffee getunkt haben, der kann selbst dann nur schwer abgeben, wenn der Küchenmeister nicht mehr Schmalhans heißt. Und so dürfen wir uns das Forellen-Avocado-Tatar, die Wirsing-Lasagne mit Hirschragout und die Basilikum-Quarkmousse mit Balsamico-Erdbeeren zwar gern anschauen und bewundern, an den Tisch gebeten, werden wir aber nicht.

Foodsharing, das nichts kostet, aber auch niemanden sattmacht und damit eine Gemeinheit darstellt, die Strafe verdient. Für den Anfang vielleicht diese hier: Ersttäter dürfen zwei Jahre lang nur noch Mikrowellenessen posten.