Bärtige

Sie wollen wie Robinson wirken, wie Papillon oder Bud Spencer, wollen den Neandertaler in sich zum Vorschein bringen oder den von allen Zwängen befreiten Derwisch, mindestens aber den Holzfäller, der nach getaner Arbeit seine Zähne in einen rohen Biber schlägt.

Sie geben ihr halbes Taschengeld für Bartwichse und ähnlich wunderliche Dinge aus, um dann nach dem Duschen im Gym ihre Schenkelbürste stundenlang zu salben und zu kämmen, zu ziselieren und zu glätten, während wir anderen schon munter am dritten Eiweißshake nippen.

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Sie sammeln Speisereste und Ejakulat im Bereich um Mund und Nase, als ob ihnen in Kürze ein Flugzeugabsturz über der Wüste bevorstünde und das Überleben von jedem Milligramm Nährstoff abhinge.

Die, die auch noch den letzten Funken Kontrolle über den Wuchs ihrer Gesichtsbehaarung verloren haben, wirken gar wie Zeitgenossen, denen der Begriff Sprengstoffgürtel nicht nur aus den Nachrichten bekannt ist. Und es wundert beinahe, dass nur die wenigsten dieser Kandidaten bisher von der GSG9 besucht worden sind. Schöner wäre, wenn es alle träfe. Das würde den öffentlichen Raum vielleicht nicht unbedingt sicherer, zumindest aber ansehnlicher gestalten.

SUV-Besitzer

Warum sie einen fahren, wissen sie nicht. Sie sind nie in der Wüste unterwegs, nie auf Berghängen oder sonst wo abseits befestigter Straßen, noch nicht mal auf Feldwegen. Aber die Nachbarn haben auch alle einen, und der Kontostand gibt es her, ja, zwingt förmlich zum Kauf. Und so irren sie auf der Suche nach Parkraum herum in diesen protzigen Karren, diesen Schaut-her-ich-bin-zwar-nicht-amerikanischer-Präsident-geworden-aber-für-ein-Präsidentenbegleitfahrzeug-hat-es-allemal-gereicht-Schüsseln, haben Mühe auf ihren fahrenden Hochsitzen den Überblick zu bewahren, besonders in Bezug auf Kleinstlebewesen wie Fußgänger oder Radfahrer.

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Wie Ozeanriesen, die des nachts ohne Steuermann unterwegs sind, und bei denen dann am nächsten Tag plötzlich der Mast eines Segelboots an der Schiffsschraube klebt, durchpflügen sie den öffentlichen Raum. Sie verballern Benzin und blasen Abgase in die Luft, als gäb‘s kein morgen mehr. Und das mit Vorliebe, während sie vor Kitas oder Schulen auf den Nachwuchs warten, wo sie sich bei laufendem Motor um die Zukunft eben dieses Nachwuchses sorgen.

 

Sie nerven alle anderen und merken es nicht, wie Pferdebremsen in der Badebucht.

Im Jahr 1346 katapultierte die Goldene Horde Pestkranke über die Mauern der belagerten Hafenstadt Kaffa. Heute würde sie SUV-Fahrer nehmen.

Mädchen in zerrissenen Jeans

Sie kommen dir entgegen, und du denkst, sie hätten gerade einen Stacheldrahtverhau überwunden, wären auf allen Vieren durch ein Scherbenmeer gerobbt oder minutenlang in einem Dornengestrüpp auf Schmetterlingsfang gegangen: Mädchen in Destroyed Denim (wie sie selbst es nennen würden), also in Jeans, die so wirken, als wären sie (also die Jeans, nicht deren Trägerinnen) just aus einer Maschine gefischt worden, die Altkleider zu Putzlumpen verarbeitet, dabei aber gerade erst im Laden erworben wurden. Und das nicht selten für einen dreistelligen Betrag. Seltsamerweise scheint den Trägerinnen gar nicht bewusst, wie sehr sie damit Menschen verhöhnen, die gern eine unbeschädigte Hose ihr Eigen nennen würden, sich aber keine leisten können. Vielmehr spazieren sie mit einem Lächeln herum, das so tut, als sei es völlig normal, etwas, das wärmen, schützen, bedecken soll, bereits während des Fertigungsprozesses zu zerstören.

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Alle Jahre wieder kommt diese Mode über uns. Warum? Was ist die Botschaft? Seht her, ich mache jeden Blödsinn mit, bald schneide ich mir Löcher ins Portemonnaie, in die Autoreifen, in die Kopfhaut? Ich mag Klamotten, die aussehen, als hätten sie die Mauser? Kommet ihr Mücken, Schnaken und Bremsen, ich habe extra Einfallstore für euch geschaffen?

Apropos Tierwelt: Früher hat man, um Vögel von Feldern oder Obstplantagen fernzuhalten Holzkreuze aufgestellt, die man mit Hilfe abgelegter Plünnen wie Menschen hat wirken lassen. Heute würde man Mädchen in Destroyed Denim nehmen.